Bernd Eichinger

Bernd Eichinger (* 11. April 1949 in Neuburg an der Donau; † 24. Januar 2011 in Los Angeles[1], Kalifornien) war ein deutscher Filmproduzent, Drehbuchautor und Regisseur.

Bernd Eichinger wurde als Sohn des Landarztes Manfred Eichinger († 2004) und seiner Frau Ingeborg, einer ausgebildeten Lehrerin geboren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Monika in Rennertshofen auf. Monika starb im Jahr 2007 an einem Herzinfarkt.[2] Ab dem elften Lebensjahr ging er in einem Internat in Deggendorf zur Schule, das er allerdings im Alter von 17 Jahren verlassen musste. Daraufhin machte er 1970 in München am Erasmus-Grasser-Gymnasium sein Abitur.[3]

Ursprünglich wollte Eichinger Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft studieren.[4] Allerdings hörte er in seinem letzten Jahr vor dem Abitur, dass es in München die Hochschule für Fernsehen und Film gibt, entschied er sich dort zu bewerben. Sein Bewerbungsfilm trug den Titel Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues, den er aus Samuel Becketts Roman Murphy entliehen hatte.[4] Der Film handelte von seinem Internat. Obwohl es für 400 Bewerber nur 11 Studienplätze[4] gab, war seine Bewerbung erfolgreich, und er verbrachte die nächsten drei Jahre an der Filmhochschule. Dort führte er Regie zu verschiedenen Kurzfilmen (zum Beispiel Canossa) und wirkte in unterschiedlichen Funktionen an Filmen seiner Kommilitonen (darunter auch die des Regisseurs Uli Edel) mit. Noch während seines Studiums arbeitete er als Aufnahmeleiter in den Bavaria Studios (zum Beispiel bei Ihre Scheidung, seine Scheidung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton) und war als Drehbuchautor für den Regisseur Hans W. Geißendörfer tätig (unter anderem bei Periham – die zweite Chance und Die Eltern).[5]

1974 gründete Eichinger seine eigene Filmproduktionsgesellschaft Solaris und produzierte hauptsächlich Autorenfilme, die man zum Neuen Deutschen Film zählt. Unter diesen sind Falsche Bewegung von Wim Wenders, Stunde Null von Edgar Reitz, Hitler, ein Film aus Deutschland von Hans-Jürgen Syberberg, Lieb Vaterland, magst ruhig sein von Roland Klick sowie Der starke Ferdinand von Alexander Kluge.

1979 erwarb Eichinger 25 % der angeschlagenen Verleihfirma Constantin Film und wurde zum geschäftsführenden Gesellschafter der Neue Constantin Film GmbH. Seine erste Produktion für diese Firma war Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Der Film, in dem sein ehemaliger Studienkollege Uli Edel Regie führte und zu dem als weiterer Kommilitone Herman Weigel das Drehbuch schrieb, wurde 1981 zu einem der international erfolgreichsten deutschsprachigen Filme seit Kriegsende.

In den darauf folgenden zwei Jahrzehnten war Eichinger für den Filmeinkauf und das Verleihgeschäft der Neue Constantin Film GmbH zuständig. Dabei gestaltete er die Kampagnen zu Filmen wie Wolfgang Petersens Das Boot, Alan Parkers Pink Floyd The Wall, Franc Roddams Quadrophenia, John Carpenters Die Klapperschlange und John Milius’ Conan der Barbar. Gleichzeitig produzierte Eichinger internationale Großprojekte wie Die unendliche Geschichte mit Wolfgang Petersen als Regisseur, Der Name der Rose mit Regisseur Jean-Jacques Annaud und Sean Connery in der Hauptrolle, Letzte Ausfahrt Brooklyn nach dem Roman von Hubert Selby Jr. wieder mit Regisseur Uli Edel, Das Geisterhaus mit Regisseur Bille August und Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons und Winona Ryder in den Hauptrollen sowie die Resident Evil-Trilogie mit Milla Jovovich in der Hauptrolle. Noch in den 80er Jahren hatte Eichinger die Filmrechte zu den Marvel Comics The Fantastic Four erworben und war mehr als 15 Jahre später als Produzent bei der Verfilmung von Fantastic Four und Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer für 20th Century Fox tätig.

Neben internationalen Projekten produzierte Eichinger auch populäre deutsche Komödien, wie zum Beispiel Manta, Manta mit Til Schweiger in dessen erster Hauptrolle in einem Kinofilm, Sönke Wortmanns Der bewegte Mann und Das Superweib, den Zeichentrickfilm Werner – Beinhart! sowie Voll Normaaal und Ballermann 6 mit dem Komiker Tom Gerhardt.

1996 führte Eichinger erstmals selbst Regie, in dem Fernsehdrama Das Mädchen Rosemarie, in dem Nina Hoss ihre erste Hauptrolle spielte. In den folgenden Jahren produzierte Eichinger Filme mit den deutschen Regisseuren Doris Dörrie (Bin ich schön? und Nackt), Oskar Roehler (Elementarteilchen) sowie als Co-Produzent bei Caroline Links Nirgendwo in Afrika, der mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde.

Bernd Eichinger war nicht nur als Produzent, sondern in den letzten Jahren vermehrt auch als Drehbuchautor tätig. 2003 schrieb er das Drehbuch zum Film Der Untergang, den er 2004 mit Oliver Hirschbiegel als Regisseur produzierte. Der Untergang wurde 2005 für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. 2006 folgte Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders, zu dem Eichinger gemeinsam mit Andrew Birkin und dem Regisseur des Films Tom Tykwer das Drehbuch verfasste. 2007 schrieb Eichinger das Drehbuch zu Der Baader Meinhof Komplex, das er noch im selben Jahr mit Uli Edel als Regisseur verfilmte. Der Film kam 2008 in die deutschen Kinos und wurde 2009 für den Oscar, den Golden Globe Award sowie den British Academy Film Award in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Noch im selben Jahr drehten Eichinger und Edel ihren vierten gemeinsamen Film: Zeiten ändern dich, mit und über den deutschen Rap-Star Bushido.

Neben Uli Edel zählt auch Andrew Birkin zu den Filmemachern, mit denen Eichinger immer wieder zusammenarbeitete. Mit ihm verfilmte Eichinger 1993 Ian McEwans Roman Der Zementgarten, der bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

Die Constantin Film ging 1999 an die Börse. Eichinger wurde Vorstandsvorsitzender der Constantin Film AG und war deren größter Einzelaktionär. Im Januar 2006 verkaufte er seinen Anteil an der Aktiengesellschaft an die Schweizer Firma Highlight Communications. Eichinger war weiterhin für die Constantin Film AG als Produzent tätig.

Laut Angaben der Filmförderungsanstalt FFA haben allein im deutschsprachigen Raum bislang mehr als 70 Millionen Zuschauer Bernd-Eichinger-Produktionen im Kino gesehen. Bernd Eichinger gehörte zu den Gründern der Deutschen Filmakademie und des Nachwuchspreises First Steps Award. 1999 gründete er zusammen mit Kollegen und Freunden aus Film, Kunst und Wirtschaft die gemeinnützige GmbH Artists for Kids; ein Projekt zur Hilfestellung für gefährdete Kinder und Jugendliche aus München.

Eichinger war seit 2006 mit der Autorin Katja Hofmann verheiratet. Seine Tochter, die Fernsehmoderatorin Nina Eichinger, entstammt einer früheren Beziehung mit Sabine Eichinger. Mit ihr war er jedoch nicht verheiratet; sie trägt zufällig denselben Namen.[6] Er verstarb unerwartet am 24. Januar 2011 während eines Abendessens mit seiner Familie und Freunden in Los Angeles an einem Herzinfarkt.[7] Eichinger war auch als Produzent der Verfilmung des Kampusch-Falles beauftragt, dieses Projekt ist nach dem Tod Eichingers nicht gesichert.[8] Im Februar 2011 wurde ihm posthum eine besondere Ehre zu teil. Bei der Verleihung der Goldenen Kamera erhielt er einen eigens geschaffenen Preis, den des „Besten Produzenten“.[9] Die Laudatio auf den verstorbenen Eichinger bei der Verleihung des Preises hielt Schauspieler und Freund Thomas Kretschmann. [10]

Am 7. Februar fand in der St.-Michael-Kirche in München eine große Trauerfeier statt[11], zu der 900 Gäste geladen waren. Sie wurde live von dem TV-Privatsender Sat 1 übertragen. Trauerredner waren u.a. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sowie Produzent Günter Rohrbach. Eichingers Urne wurde auf dem Bogenhausener Friedhof beigesetzt.[12]

Während der Verleihung des Deutschen Filmpreises 2011 wurde die Schaffung einer neuen Preiskategorie bekanntgegeben, die zu Ehren Eichingers verliehen werden soll. Der undotierte „Bernd-Eichinger-Preis“ werde ab 2012 alle drei Jahre Filmteams auszeichnen, die Produktionen im Sinne Eichingers realisieren.[13]

Quelle: Wikipedia

Weitere Informationen zum Thema Film und Fernsehen finden Sie unter: www.deutsche-kinemathek.de

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