Hans Helmut Prinzler Filmbuch des Monats Juni







Detlef Helmbolds Mehr Kunst als Werbung. Das DDR Filmplakat ist Hans Helmut Prinzler Filmbuch des Monats Juni

Zu jedem Kinofilm, der ab 1945 in der SBZ und ab 1949 in der DDR gezeigt wurde, gab es mindestens ein Plakat. Das betraf nicht nur Spielfilme, sondern auch Dokumentar- und Kinderfilme.

Am Ende, 1990, summierte sich das auf mehr als 6.000 Plakate. Die grafische Vielfalt ist in dem schwergewichtigen Buch „Mehr Kunst als Werbung“ von Detlef Hembold zu bewundern, das von der DEFA-Stiftung herausgegeben wurde und im Verlag Bertz + Fischer erschienen ist.

Das Filmplakat hat eine lange Tradition, es ist ein wichtiges Werbe-mittel seit Beginn der Kinogeschichte. Es soll dem potentiellen Publi-kum möglichst pointiert das Genre, die Stars, die Essenz eines Films anschaulich machen, um die Neugier auf den entsprechenden Film zu wecken. Bilder stehen meist im Vordergrund, der Filmtitel muss er-kennbar sein, die Namen der wichtigsten Beteiligten sind quasi Pflicht-text. Schrifttypen und Farbenspiele bieten viele Variationen, Hoch-formate sind die Regel. Auch das künstlerische Filmplakat hat eine Geschichte, in Deutschland seit Beginn der Weimarer Republik. Einer der großen Grafiker war Josef Fenneker (1895-1956) – aber das ist eine eigene, andere Geschichte, die man sich auf der Website der Kinema-thek erzählen lassen kann (-josef-fenneker ).

Detlef Helmbold dokumentiert in seinem Buch die Geschichte des DDR-Film­plakats. Er hat sich, unterstützt von der DEFA-Stiftung und dem Filmmuseum Potsdam, auf die Suche nach erhaltenen Exemplaren gemacht, bei privaten Sammlern, in Archiven, an Universitäten. Sechs Jahre war er damit beschäftigt, seine Funde zu datieren, zu katalogisieren, die Grafiker zu ermitteln, sofern die Plakate nicht signiert waren, und am Ende zu entscheiden, in welcher Größe sie im Buch publiziert werden sollten. In seiner Einleitung vermittelt er uns sein Vorgehen. Drei längere Essays informieren sehr erkenntnisreich über die Themen: „Das DDR-Filmplakat 1945-1990“, „Das Politische im DDR-Filmplakat“ und „Das Starporträt im DDR-Filmplakat“.

Natürlich gab es verschiedene Phasen in der DDR-Geschichte, die sich auch auf die Gestaltung der Filmplakate auswirkten. Interessant ist, wieviel Freiheiten die Künstler*innen jeweils hatten. Auftraggeber war zunächst die Firma „Sovexportfilm“, dann der DEFA-Filmverleih und seit seiner Gründung 1950 der staatseigene „Progress Film-Verleih“. Es gab eine Kommission, die für die Auswahl und Zulassung der Plakate verantwortlich war. Sie wurde von Grafiker*innen dominiert. Das wirkte sich oft auf die Entscheidungen aus. Besonders interessant sind die Plakate der 1960er, 70er und 80er Jahre. Helmbold, selbst von Beruf Grafiker, charakterisiert in seinen drei Texten die Arbeit der wichtigsten Personen, die zum Teil sehr lange für Progress tätig waren. Das ist informativ und würdigt Künstler*innen, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind.

Insgesamt sind in diesem Buch 6.385 Plakate zu Filmen aus 58 Ländern reproduziert, gestaltet von 465 GrafikerInnen. Zu sehen sind 5.066 Spielfilm-, 342 Dokumentarfilm- und 977 Kinderfilmplakate.

Jedes Buch enthält ein Originalplakat. In meinem Exemplar ist es das Plakat zu der westdeutsch-sowjetischen Koproduktion “Den Drachen töten” (1989), entworfen von Erhard Grüttner.

Mehr zum Buch: hhprinzler.de/filmbuecher/mehr-kunst-als-werbung

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11.06.2018 | Kategorie: Top News

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